DIE GESCHICHTE DES SCHELLENBAUMES


Seiner Herkunft nach ist der Schellenbaum in den deutschen Heeren nicht als Instrument, sondern als Siegestrophäe aufzufassen, die der Truppe bei besonderen Anlässen symbolhaft als „Fahne der Musik“ vorausgeführt wird. Er wurde daher auch nicht von einem Musiker, sondern von einem Angehörigen der Truppe getragen. Der Ursprung des Schellenbaumes, dessen Name bei uns von den zahlreich angehängten Schellen abgeleitet ist, liegt vermutlich in China, im „Chinesischen Schellenhut“.

Er ist über Indien nach Kleinasien gekommen und fand in der Türkei Aufnahme. Mit den Schlaginstrumenten (Trommel und Becken) und der Triangel (dem Vorläufer der Lyra) wurde er durch rhythmisches Schütteln zur taktbestimmenden, charakteristischen Begleitung der melodieführenden Blasinstrumente. Preußen stellte eine derartige Musikbesetzung erstmals 1740 in seinem Artillerie-Regiment zusammen. Sie bestand aus 16 „Mohren“. Der Schellenbaum hat seine äußeren Wesensmerkmale erst in den türkischen Heerscharen erhalten. Neben dem Halbmond sind es hauptsächlich die gefärbten Rossschweife, die seine türkische Abstammung unterstreichen. Sie sind von den Feldzeichen hoher militärischer Würdenträger übernommen worden. Deshalb ist der Schellenbaum auch als „Mohammedsfahne“ bekannt. Die Engländer sprechen vom turkish crescent (= türkischer Halbmond), der Soldatenmund machte daraus „jingling johnnie“. Bei den genannten Feldzeichen hingen die Rossschweife von einem Halbmond herab, der über einer gleichartigen Kugel an einem tragenden Stab befestigt war. Diese Zeichen wurden den Befehlshabern vorangetragen oder vor ihren Zelten aufgestellt.

Der Schellenbaum wurde von einzelnen preußischen Truppenteilen bei ihrer Regimentsmusik erst eingeführt, nachdem sie einen solchen im Laufe der Feldzüge 1813/15 erobert oder erbeutet hatten. Als der König seine Erlaubnis zur Führung erteilt hatte (nur für Infanterie und Fußartillerie), wurde es zur Prestige- und Ehrensache, dergleichen Trophäen zu besitzen. Nach dem Krieg waren es zuerst einzelne Stände, dann auch Städte, die den in ihren Provinzen oder in ihren Mauern stehenden Regimentern als Zeichen des vaterländischen Dankes solche „Siegeszeichen“ stifteten. Um in der dadurch verursachten Verschiedenartigkeit der Schellenbäume eine gewisse Gleichheit zu erzielen, erließ Kaiser Wilhelm II. die für Neuanschaffungen geltenden Bestimmungen vom 27.01.1902.

In der Bundeswehr gehört auch der Schellenbaum mit kleinen Änderungen (schwarz-rot-goldene „Rossschweife“ aus Kunststoff, Bundesadler im Labserum) zum äußeren Erscheinungsbild eines Musikkorps.